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Shareconomy was ist das? Ein Begriff, viele Bedeutungen

Hi, ich bin Lukas aus Münster und habe mich in der letzten Zeit viel mit Sharing und nachhaltigem Konsum beschäftigt.
Ich wurde in letzter Zeit immer gefragt „Shareconomy was ist das?“, darum möchte ich euch gerne einen Überblick darüber geben, was alles in der Shareconomy möglich ist.
In den nächsten Jahren werden sich verschiedene Sharing-Modelle durchsetzen, die heute bereits Einzug in unser tägliches Leben nehmen. Wir fahren mit E-Scooter durch die Städte, nehmen auf der Autofahrt fremde Leute mit und manche von uns arbeiten an geteilten Arbeitsplätzen. Aber was genau ist Sharing? Welche unterschiedlichen Typen von Sharing gibt es und welche Angebote sind für euch sinnvoll. Hier gebe ich euch eine kurze Einführung in dieses Themengebiet, um euch in den nächsten Wochen verschiedene Bereiche des Sharings näherzubringen.

Lebensmittel und Klamotten

Sharing tut gut – Wir verbrauchen weniger Ressourcen, verschmutzen unsere Umwelt weniger und können mit Dingen, die wir anderen zur Verfügung stehen, diesen Menschen eine Freude bereiten. Und ganz nebenher lernen wir unsere Nachbarn wieder besser kennen!

Aber Sharing ist mehr als nur teilen. Auch die Weitergabe von Sachen und Lebensmitteln, die wir nicht mehr nutzen, gehört zur Shareconomy. Was anfangs mit dem Containern anfing – als wir es nicht mehr hinnehmen wollten, dass Supermärkte massenhaft Lebensmittel wegschmissen – können wir heute mit Hilfe von „Too good to go“ oder „Mealsaver“ erleben. Hier bekommt ihr die übrig gebliebenen Mahlzeiten der Restaurants in eurer Nähe zum halben Preis. Mit der App „Foodsharing“ könnt ihr das Ganze auch nutzen. Hier könnt ihr eure übrig gebliebenen Lebensmittel verschenken oder den Kühlschrank des Nachbarn, der morgen in den Urlaub fährt, schnell noch leerräumen.

Auch bei Klamotten gibt es heute schon viele Möglichkeiten, nachhaltig zu leben. Ist es wirklich nötig, dass jeder Deutsche im Jahr 12 Kg Klamotten kauft? Wer soll das alles tragen? Und wohin mit den 1,3 Mio. Tonnen an Kleidungsabfällen jährlich? Second-Hand-Geschäfte erfreuen sich also wieder hoher Nachfrage. Auf speziellen Flohmärkten für Klamotten wie „Kleiderwirbel“ aus Münster könnt ihr euren Kleiderschrank einmal austauschen, wenn ihr mögt. Solche Angebote finden sich in jeder Stadt. In Berlin finden nahezu wöchentlich verschiedene Kleidertauschpartys statt, in München engagiert sich „Green City“ für eine sinnvolle Weiterverwendung der Schrankhüter.

Im Internet könnt ihr neben „Ebay Kleinanzeigen“ eine ganze Reihe an Tauschbörsen für Klamotten nutzen. Weit verbreitet ist die Plattform „Kleiderkreisel“, bei der ihr eure Kleider tauschen, verkaufen oder verschenken könnt. Auch bei „Kleiderkorb“, „Klamottenbox“ oder „Tauschticket“ könnt ihr abgeben, was ihr nicht mehr mögt oder was euch nicht mehr passt. Im Gegenzug finden sich immer wieder kleine Schätze, die anderen Leuten nicht mehr passen. Auch Upcycling ist eine schöne Art, aus Stoffresten neue Mode zu kreieren. Labels wie „aluc“ haben sich dabei darauf spezialisiert, übrig gebliebene Stoffe neu zu kombinieren und so einzigartige Klamotten zu schneidern. Hier finden Männer nachhaltige Hemden, Shirts und Accessoires.

Sharecomony at a Wall
Shareconomy was ist das? An dieser Hauswand wird zum Sharing aufgerufen.

Mobilität

In der Mobilität hat sich in den letzten Jahren schon eine ganze Reihe an Angeboten durchgesetzt. Heutzutage sind immer weniger Menschen auf das eigene Auto angewiesen. Das spart nicht nur Geld, sondern verhindert die allabendliche Parkplatzsuche und den lästigen Wartungsaufwand wie Reifen- und Ölwechsel sowie die Fahrt in die Waschanlage. Doch leider können noch nicht alle Menschen von Carsharing profitieren. Viele Angebote sind auf die größeren Städte beschränkt.

In den meisten Großstädten bieten s.g. Asset Hub Anbieter ihre Fahrzeuge zur Verfügung. Das heißt, dass Unternehmen wie Sixt, Avis oder auch Vereine wie Stadtteilauto Autos aus dem eigenen Besitz, also seinem „Asset“ anbietet, die seine Kunden dann nutzen. Diese können an einem Standort, dem „Hub“, abgeholt, genutzt und wieder zurückgebracht werden. Beim Carsharing-Anbieter „Cambio“ stehen die Fahrzeuge an verschiedenen Standorten in über 25 Städten deutschlandweit. Über die Cambio-App könnt ihr ein Auto reservieren, dass ihr dann mit eurer Nutzerkarte öffnen könnt. Abgerechnet wird dabei nach Nutzungsdauer und gefahrenen Kilometern.

Seit einigen Jahren hat sich neben dem „Hub“ eine weitere Möglichkeit entwickelt, Autos zu nutzen. Im Freefloating werden die Autos gar nicht mehr an einem bestimmten Ort zurückgebracht, sondern einfach am nächsten freien Parkplatz abgestellt. Hier bieten Autohersteller sehr attraktive Angebote an. BMW und Mercedes haben ihre Angebote „DriveNow“ und „Car2Go“ im Jahr 2018 zusammengeführt, sodass wir heute in 30 Städten über 20.000 Fahrzeuge jederzeit nutzen können. Hier benötigst du nur die passende App. Das Auto öffnet mit einem Swipe über den Handy-Bildschirm. Schnell deinen PIN im Auto eingeben und los geht die Fahrt. Hierbei kostet die Fahrt pro Minute ca. 25 Cent.

Wer doch lieber andere Wege nutzen möchte, um den Einkauf zu erledigen oder die Familie zu besuchen, der kann auch private Fahrzeuge in seiner Umgebung nutzen. Auf Plattformen wie „Drivy“ oder „Tamyca“ könnt ihr Autos in eurer Umgebung finden, die der Besitzer aktuell nicht braucht. Oder ihr stellt euer eigenes Auto anderen Menschen zur Verfügung. Hier solltet ihr aber immer darauf achten, dass ihr vor Fahrtantritt das Auto auf Schäden kontrolliert. Am besten macht ihr Fotos, bevor ihr losfahrt. Nicht selten sind die Versicherungsbedingungen unklar und ihr erspart euch damit Ärger, falls mal was sein sollte.

Aber oft brauchen wir ja kein Auto, sondern wollen einfach günstig von einem Ort in den anderen kommen. Leider ist die Deutsche Bahn dabei nicht immer die zuverlässigste und günstigste Alternative. Neben der Busfahrt werden auch häufig Mitfahrgelegenheiten genutzt. So können wir unseren Beifahrersitz „sharen“ und nebenbei einen Teil der Tankfüllung bezahlen.

Der bekannteste Anbieter ist hier sicherlich „BlaBlaCar“. Der französische Anbieter punktet mit Versicherungsschutz und tausenden Reisezielen. Laut der Studie „Zero Empty Seats“ sparen wir allein durch BlaBlaCar rund 1,6 Millionen Tonnen CO2 im Jahr ein. Das entspricht einem Wald von 730.000 Fußballfeldern. Aber das ist nicht der einzige Anbieter dieser Branche. Auch Flinc oder BesserMitfahren.de stellen ähnliche Angebote für euch bereit.

Doch es muss ja nicht immer das Auto sein. Auch Fahrräder, E-Scooter oder Roller lassen sich für kurze Zeit nutzen, ohne sie selbst kaufen zu müssen. Seit dem 1. Juni 2019 sind auf E-Scooter auf deutschen Straßen erlaubt. Und genau an diesem Tag starteten verschiedenen Anbieter, E-Scooter in den Städten zu verteilen.

Lime, Bird, Tier oder Voi heißen die Anbieter, die vom ersten Tag an um die Roller-Vorherrschaft unserer Innenstädte kämpfen. Hierbei könnt ihr Scooter über die passende App freischalten und direkt losfahren. Wenn ihr den Scooter dann abstellt und die Fahrt beendet, wird das Geld bequem über die vorher angegebene Zahlungsart abgewickelt. Die Kosten liegen hier oft bei wenigen Euro pro Fahrt und in vielen Städten sind so viele Scooter vorhanden, dass ihr keine Angst haben müsst, keinen zu finden.

Wenn es etwas schneller gehen muss, findet ihr auf vielen Straßen auch „echte“ Roller. Anbieter wie Emmy oder Evo Sharing bieten Roller für 23 Cent die Minute an. Auch hier könnt ihr die Roller über die passende App finden, mieten und bezahlen. Helme sind schon mit dabei!

Fahrräder sind auf diese Weise bisher noch nicht unterwegs. Hier bieten die meisten Städte aber eigene Angebote, die euch ein gutes Fahrrad garantieren. In 42 Städten bietet die Deutsche Bahn mit „Call a Bike“ Leihräder an. Dazu kommen Anbieter wie Nextbike, die ihre eigenen Räder an verschiedenen Stationen in den Städten anbieten. Seid ihr für einige Wochen oder Monate in einer Stadt und braucht ein gutes Fahrrad? Auch für solche Situationen findet sich das passende Sharing-Angebot. Mit Anbietern wie Swapfiets können monatlich Fahrräder gemietet werden. Sollte was kaputt gehen, bekommt ihr direkt ein neues Rad und das alte wird zur Reparatur mitgenommen.

Nachbarschaften finden wieder zusammen

Lebensmittel, Klamotten und Fahrzeuge sind längst nicht alle Bereiche, in denen wir Produkte miteinander teilen. Auch in unserem Alltag nutzen wir sehr oft Sharing, um die vermeintlich kleinen Probleme zu lösen. Wer hat sich nicht schon die Bohrmaschine der Eltern oder den Werkzeugkoffer des guten Freundes ausgeliehen? Aus das gehört zur wachsenden Shareconomy. In den kleinen Dörfern, wo man den Nachbarn noch kennt, wird nicht selten ein ganzes Haus durch Nachbarschaftshilfe erbaut. Der Landwirt hilft mit seinem Hänger, die Steine zu holen.

Der Maurer unterstützt den Häuslebauer nach der Schicht noch kurz und die Bäckerin bringt der fleißigen Nachbarschaft ein paar belegte Brötchen und Kaffee. An das alles ist in der Stadt nicht zu denken. Wer kennt denn mehr als drei Nachbarn aus dem Treppenhaus? Und wer wäre noch bereit, seinen neuen Beamer an die WG von nebenan zu verleihen, ohne Angst zu haben, dass dieser kaputt geht?

In einigen Nachbarschaften wachsen heute wieder neue Freundschaften zusammen. Immer mehr Projekte widmen sich dem urbanen Miteinander. Urban Gardening wird immer beliebter und hin und wieder finden sich Regale, an denen man Dinge abgeben kann, die andere noch gebrauchen können.

Weitere Lebensbereiche kommen hinzu

Leider findet dieses Sharing oft nur unter engen Vertrauten statt. Wer will schon seine Bohrmaschine an jemand wildfremdes verleihen? Was, wenn sie verdreckt oder gar kaputt zurückgegeben wird? Was, wenn die Person sich in den Finger schneidet und es als Materialfehler bezeichnet? Hier sehe ich noch viele Probleme, die in Zukunft auf uns zukommen. Aber, wenn wir schon Autos und Lebensmittel, Fahrräder und Klamotten teilen und tauschen, warum dann nicht auch andere Dinge wie Stehtische oder Soundboxen, Heckenscheren oder Nähmaschinen? Die produziert so viel und nutzt so wenig.

In den letzten Jahren haben sich so viele Möglichkeiten ergeben, schnell miteinander in Kontakt zu kommen, dass wir sicherlich einen Weg finden werden, alle möglichen Dinge untereinander zu tauschen und zu teilen. Wir brauchen nur etwas Unterstützung dabei. Wir brauchen eine passende Plattform und jemanden, der für die sichere Benutzung geradesteht.

Wir müssen viele Leute im Umkreis dazu motivieren, mitzumachen und wir müssen diesen Menschen die Produkte anbieten, die sie gerne nutzen möchten. So werden uns auch weniger Leute fragen „Shareconomy was ist das?“.

Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren einiges in Gang bringen können, um mehr zu teilen, um weniger zu besitzen. So können wir in Zukunft weniger verbrauchen und weniger wird produziert. Wir werden Ressourcen schonen und die Welt ein klein bisschen nachhaltiger gestalten.